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Anti-Aging für Opas Vermächtnis

Vom Oldie zum Trend-Haus: Eine Schieferfassade verbindet Design mit Ökologie und Ökonomie – Förderung vom Fiskus

Bauland wird immer seltener und immer teurer. Auch deshalb entscheiden sich viele junge Familien für den Umbau einer Alt-Immobilie. Thomas Jäger verpasste Opas betagtem Siedlungshaus eine umfassende Frischzellenkur. Auf 65 Jahre alten Grundmauern entstand ein nachhaltiger Wohntraum mit trendiger Natursteinfassade.

Thomas Jäger schmunzelt: „Na ja, es blieb eigentlich kein Stein auf dem anderen.“ Angefangen von den Zwischenwänden über den Estrich, die Fensterstürze und Teile des Daches musste erst einmal alles raus aus Opas Haus. Denn Familie Jäger – er als Diplom-Ingenieur und Architekt vom Fach – hatte die Vision von einer jungen Immobilie, wie sie derzeit auch die meisten seiner Kunden wünschen: Groß genug, um Arbeiten und Wohnen unter ein Dach zu bringen, lichtdurchflutet, offen, ökologisch sinnvoll, dabei dauerhaft möglichst pflegearm. Und vor allem: finanzierbar.

Übernommen hatten Jägers ein typisches Siedlungshaus in Herzogenrath vor den Toren von Aachen, dort wo Wohnen im Grünen nah zur Großstadt möglich und gleichzeitig noch leistbar ist. Die Immobilie hatte sich weitgehend den Charme der Mitfünfziger Jahre bewahrt: überschaubare Zimmer, kleine Fenster, kaum Schutz vor Kälte oder Hitze und einer Haustechnik aus den Gründerjahren: „Es war schon eine Herausforderung.“ Aus 90 Quadratmetern Wohnfläche wurden im Laufe von Planung, Sanierung und Erweiterung 160 Quadratmeter: ein neuer Anbau und ein Kubus schmiegen sich heute harmonisch an den Altbestand. 100 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche kompensieren fehlenden Kellerraum: „Mehr gab leider der Bebauungsplan nicht her.“

Knapp zwei Jahre dauerte der Um- und Ausbau, verlangte viel persönlichen Muskeleinsatz („was wir selbst machen konnten, haben wir auch selbst gemacht“) und brachte selbst dem Profi, der sich von Haus aus eher mit Neubauten beschäftigt, noch einmal zusätzliche Erfahrungen: „Wer ein altes Haus übernimmt, muss sich bewusst sein, ordentlich Geld reinzustecken. Es kommen mehr unkalkulierbare Überraschungen hinzu, als man vorher planen kann.“ Neben der Kernsanierung von Strom, Wasser und Rohrsystemen legte der Bauherr großen Wert auf energiesparende Dämmung verbunden mit einer puristisch-zeitlosen Anmutung: „Ein besonderes Design ist schließlich das Aushängeschild jedes Architekten.“

Intensiv gesucht hat der Bauherr nach einer nachhaltigen Lösung für die in die Jahre gekommene Fassade des Altbaus: „Es sollte eine Alternative zu einem Wärmedämmverbundsystem oder einer Klinkerfassade sein.“ Das eine wäre später möglicherweise mit hohen Entsorgungskosten verbunden, das andere nur mit einem recht aufwändigen zusätzlichen Fundament realisierbar gewesen. „Wir haben verschiedene vorgehängte Lösungen durchgespielt – und sind bei Schiefer gelandet: Der Stein ist natürlich, langlebig, durch seine moderne rechteckige Formgebung zeitlos elegant. Und selbst bei einem späteren Rückbau in der Entsorgung problemlos.“

Mit der modernen „Horizontalen Deckung“ entschied sich der Architekt für eine der preisgünstigen Fassadenlösungen mit großformatigen Natursteinen: Weil die Steine in Größen bis zu 60 mal 30 Zentimeter nur eine handelsübliche Lattung und einfache Höhenüberdeckung benötigen sind Montageaufwand und Materialeinsatz deutlich niedriger als bei einer konventionellen Vollschalung aus Holz. Gleichzeitig entsteht durch die Lattung automatisch eine natürliche Lüftung zur durchgehenden 14 Zentimeter starken Steinwolle-Dämmung der Außenwand. Die einzelnen Schiefersteine werden von eleganten Klammern in Schwarz oder in Edelstahl gehalten und können bei Bedarf für die nachträgliche Verlegung von Versorgungsleitungen einfach abgenommen und später wieder eingesetzt werden.

Entstanden ist nach fast zweijähriger Bauphase ein Haus mit Zukunft, das sich kaum von einem aktuellen Neubau unterscheidet: Bodentiefe Fenster und warme Naturholzböden sorgen für ein behagliches Ambiente, die je nach Lichteinfall unterschiedlich schimmernde Fassade für interessante Optik und dauerhaft wenig Pflegeaufwand: „Auch das war für uns ein wesentlicher Faktor.“ Nahtlos gehen Alt- und Anbau optisch ineinander über und münden über eine attraktive Sonnenterrasse mitten im Grünen: „Opa sei Dank“, lacht Thomas Jäger, denn einen von drei Seiten eingewachsenen Garten findet man in Neubaugebieten sonst eher selten. „Im Nachhinein“, resümiert er, „sind wir froh, es so gemacht zu haben.“

Cochem-Zell AW vom Samstag, 18. September 2021, Seite 8 (53 Views)

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