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Ochse „Fritz“ führt Almabtrieb in Eppenrod an

Landwirt Matthias Höwer leitet Tiere durch den Ort / Feierliche Verabschiedung ins Winterlager

EPPENROD/SIERSHAHN. -west- Gemächlich, fast ein wenig erhaben, zieht „Fritz“ mit Kastenwagen und Gefolge die Oberstraße entlang. Das mächtige Tier, rund 1100 Kilogramm schwer, strahlt Ruhe und Gemütlichkeit aus, und doch nötigt der Koloss den umstehenden Zuschauern Respekt ab.

Die Größe, der gewaltige Schädel, die kurzen, stämmigen Beine – die Nähe lässt das Arbeitstier von Landwirt Matthias Höwer aus Siershahn umso gewaltiger erscheinen. Beeindruckt sind die Gäste auf der Wiese in Eppenrod, wenn sie Blicke des sieben Jahre alten Ochsen auf sich gerichtet fühlen, fasziniert sehen sie mit an, wie „Fritz“ auf seinen Namen reagiert, dann Kopf und Ohren ausrichtet. Der von einer Kuh, zwei Jungtieren und drei Schafen begleitete Blickfang, der seinem Namen dem Fernsehfilm „Herbstmilch“ verdankt, ist zum dritten Mal dabei.

Diesmal führt der Almabtrieb in Eppenrod bergauf. Aus der Ortsmitte geht es die Oberstraße hinauf zur Festscheune – für die Zaungäste. Die Tiere, die eigens aus Siershahn im Westerwaldkreis herangeschafft wurden, müssen wieder zurück in den Transporter und damit hinein ins Winterlager. Nach einer guten halben Stunde ist der Auftritt der Vierbeiner vorbei, hat der angefertigte Kopfschmuck ausgedient. Für die Zweibeiner spielen die Blasmusiker der Musikalischen Löwen vom Musikverein Nentershausen zum geselligen Beisammensein an Rudolfs Hütte auf. Seit 1985 gibt es inzwischen den im Zweijahresrhythmus zelebrierten Viehtrieb, eingeladen haben Männergesangverein „Eintracht“ und Frauenchor.

Almabtrieb – Landwirtschaftliche Tradition

Matthias Höwer ist mit seinem Sohn gern gekommen – allein schon, um die landwirtschaftliche Tradition zu pflegen und zu zeigen, welche Arbeitstechniken früher in der Region heimisch waren. Doch die Zeit hat auch vor ihm nicht Halt gemacht. Aus der Mutterkuhhaltung mit 160 Tieren und 100 Hektar Weide- und Ackerland ist ein Betrieb mit derzeit noch 25 Rindviechern geworden, darunter zehn Kühe.

Animiert von einem SWR-Film, der die Landwirtschaft von 1900 bis heute zeigt, hat der Bauer aus Siershahn mit Gleichgesinnten ebenfalls zur Kamera gegriffen und das Objektiv auf die Arbeit früherer Tage gerichtet. „Eineinhalb Stunden Material sind schon zusammengekommen“, erzählt er stolz und dirigiert dabei seinen Ochsen vollkommen unproblematisch mit Kettenhalfter und kleinem Stock.

Die Tiere werden als Gelbvieh bezeichnet. Das Fell ist einfarbig, Hörner und Maul sind hell, die Klauen dunkel. Ursprünglich galten sie als Dreinutzungsrasse (Milch, Fleisch, Arbeit als Zugtier), heute liefern sie Milch und Fleisch. Bauer Höwer, dessen „Fritz“ gerade einen Wagen mit zwei Strohballen, Milchkannen und Kelterpresse zieht, darf allerdings um der alten Technik Willen immer noch aufs Feld und beim Kartoffelsetzen helfen.

Gelbvieh galt wegen guter Muskulatur, kräftigem Knochenbau und harten Klauen besonders geeignet für die Arbeit als Zughelfer. Einst dem roten altfränkischen Vieh entstammend, wurden im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Rassen eingekreuzt. In den 1870er Jahren wurde damit begonnen, die Zucht auf ein einfarbiges gelbes Rind umzustellen.

Rudolf und Ralf Nink aus Eppenrod führen zusammen mit Reinhold Kuhns Kuh und Jungtiere, Lea Wengenroth und Marie Ulges ziehen mit Schafen hinterher. Einzig der Nachwuchs bedarf strengerer Aufsicht und Kontrolle. Die schon mehrere hundert Kilogramm schweren Vierbeiner nutzen den ungewöhnlichen Ausflug zur freieren Entfaltung und wären mit der Kuh in unmittelbarer Nähe gern zu Dummheiten bereit.

Westerwald-Post Süd AW vom Samstag, 2. November 2019, Seite 11 (38 Views)

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