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„Ein Märchen aus alten Zeiten,

das kommt mir nicht aus dem Sinn“

Neue Sonderausstellung im „Rhein-Museum“ in Ehrenbreitstein eröffnet und bis Jahresende zu besichtigen

EHRENBREITSTEIN. -lakr- Es ist wieder soweit! Das „Rhein-Museum“ in Koblenz-Ehrenbreitstein bietet den Besuchern eine neue Sonderausstellung. Ihr Titel ist vieldeutig und daher gerade passend für die facettenreiche Ausstellung: „Sagenhafter Rhein – Märchen, Geschichten, Legenden“.

Der mächtige Strom wird in dieser also nicht aufgrund seiner wirtschaftlichen oder ökonomischen Bedeutung gewürdigt, sondern es wird aufgezeigt, auf welche Weise Künstler und Schriftsteller in der Rheinlandschaft zu Höchstleistungen inspiriert wurden. Die mannigfaltigen künstlerischen Würdigungen des Flusses sind noch bis Sonntag, 29. Dezember, im Rhein-Museum zu erkunden.

Das Rhein-Museum ist in Koblenz eine traditionsreiche Institution: Es existiert bereits seit 1912. In den Anfangszeiten war es allerdings noch nicht in der Ehrenbreitsteiner Charlottenstraße angesiedelt, sondern in einem Gebäude in der Rheinzollstraße. Verhältnismäßig spät in der Geschichte seines Bestehens durfte das kulturhistorische Museum 1991 dann in das ehemalige Schulgebäude auf der anderen Rheinseite umziehen. Seitdem hat die Institution in dem studierten Ethnologen Rainer Doetsch auch einen neuen Leiter gefunden. Dieser hat den Posten bis heute inne und stand zu Beginn vor keiner leichten Aufgabe: Das alte Schulgebäude in Ehrenbreitstein war der umfangreichen Sammlung des Museums zwar viel eher angemessen, musste aber erst umfangreich saniert werden. 1995 konnte dann offiziell das „neue Rhein-Museum“ besucht werden. Im Jahre 2004 wurde die neue Ausstellungshalle eröffnet. Dieser große und offene Hallenbau ermöglichte es auch, dass in einer zweiten Ebene Platz für einen Sonderausstellungsraum geschaffen wurde.

Eröffnet wurde die aktuelle Sonderausstellung „Sagenhafter Rhein – Märchen, Geschichten, Legenden“ am 29. März. Zur Eröffnungsfeier kamen zahlreiche geladene Gäste, darunter Freunde des Museums, Mitglieder des Vereins „Rhein-Museum“ und interessierte Ehrenbreitsteiner. Bei Wasser und Wein konnten sich die Interessierten für einen Abend lang in eine andere Welt versetzen lassen.

Moritz Krebs, der die Ausstellung größtenteils geplant und pädagogisch aufbereitet hat, fordert die Besucher auf: „Tauchen Sie ein in die dargebotenen Geschichten, betrachten Sie die Illustrationen, sehen und bestaunen Sie mit den Augen eines Kindes Märchen, Sagen und Legenden vom Rhein.“

Wundersame Welten

Der Aufbau der Ausstellung erleichtert es den Besuchern, sich auf diese Welt voller Zauber einzulassen: Die Sonderausstellung ist selbst wie ein Sagenbuch aufgebaut. Einzelne Geschichten werden in Nischen präsentiert, an deren Seite jeweils eine extra dafür angefertigte Zeichnung befestigt ist.

In der Ausstellung geht es vor allem um das Gefühl, welches der Fluss und das Rheintal in den Menschen auslösen. Beschrieben wird dieses meist mit dem Begriff „Rheinromantik“. Auch wenn dieser nicht zuletzt auch von der Tourismusindustrie benutzt wird, um möglichst viele zahlende Kunden anzulocken, verbirgt sich hinter dem ominösen Begriff doch ein rätselhaftes Phänomen, denn tatsächlich wird in denen, die sich dort aufhalten, etwas durch die malerische Landschaft und das Fließen des Wassers angeregt.

Vielleicht das berühmteste Zeugnis der Inspirationskraft des Rheins und seiner Landschaft ist Heinrich Heines 1824 verfasstes Gedicht, in dem er sich einer der berühmtesten Mythen über die Wasserstraße widmet: der Loreley. Die ersten Verse dieser Dichtung kennt in Deutschland fast jeder: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten / Dass ich so traurig bin / Ein Märchen aus alten Zeiten / Das kommt mir nicht aus dem Sinn.“ Auch in den Reden des Museumsleiters, Rainer Doetsch, und der von Moritz Krebs ist Heines Gedicht präsent: „‚Ich weiß nicht was soll es bedeuten…‘. Ich kann ihnen nicht versprechen, dass sie am Ende dieser Ausstellung wissen was es bedeuten soll, ich hoffe allerdings, dass sie am Ende dieser Ausstellung zu dem Schluss gekommen sind, dass es etwas bedeutet“, stellt Krebs heraus.

Auch wenn Geschichten, Bilder, Postkarten und Vertonungen über die schöne Frau mit dem langen Haar, die die Seefahrer in ihr Unglück treibt, natürlich einen Platz in der neuen Sonderausstellung haben, sind Erzählungen über die Loreley nicht die einzigen, die hier gewürdigt werden.

Beispielsweise tritt ebenso der für die Institution namensgebende „Vater Rhein“ selbst in personifizierter Form in Erscheinung. Außerdem wird anderen Sagen und Erzählungen, die sich entlang des Rheintals abspielen, eine Plattform geboten. Das Ziel der Ausstellung ist es nämlich, möglichst verschiedene Sagen darzustellen. Dabei wurde auch nicht davor zurückgeschreckt, weniger bekannten Geschichten Raum zu geben: Deren Inhalt wurde in „Stimmungstexten“ zusammengefasst, die in der Wortwahl und dem Ton an den Stil der Sagen angepasst sind. Auf diese Weise kann die Atmosphäre der Erzählungen vom Besucher nachempfunden werden.

Niemals stillstehen

Die wechselnden Sonderausstellungen ergänzen die ständige Ausstellung, indem diese einzelne Aspekte der kulturellen und historischen Bedeutung der Wasserstraße für die, die im Rheintal zuhause sind oder dieses erkunden, hervorheben. In der Dauerausstellung finden sich die Abteilungen „Frühe Menschen am Rhein“, „Hydrologie“, „Leben am Rhein“, „Fische und Fischfang“, „Wasserstraße Rhein“, „Rheinschifffahrt“, „Reisen und Romantik am Rhein“. Die Objekte sind nicht chronologisch ausgestellt, es gibt keinen vorgeschriebenen Rundweg durch die Räumlichkeiten des Museums. Die Reihenfolge, in der die Besucher die Bereiche erkunden, ist also frei wählbar. Das liegt daran, dass das Museum wie ein Buch aufgebaut ist und die Abteilungen verschiedene Kapitel des Lebens am Rhein widerspiegeln.

Da ein Museum immer auch die Aufgabe hat, Kulturgüter und historische Zeugnisse zu sammeln und zu bewahren, ist die Arbeit einer solchen Einrichtung niemals abgeschlossen. Arbeit fällt in einem Museum immer an. Daher ergeben sich auch in der ständigen Ausstellung zuweilen Neuerungen: Die Dampfmaschine des Baggers „Alberich“, die sich bereits seit einigen Jahren im „Rhein-Museum“ befindet, kann sich nun wieder drehen. Die Besucher sind ab sofort eingeladen, die ungefähr drei Tonnen schwere Zweizylinder-Verbund-Dampfmaschine im Rahmen einer Führung „in Aktion“ zu erleben. Diese neue Attraktion ist sicherlich nicht nur für die kleinen Besucher ein Highlight.

Weitere Infos unter y (0261) 70 34 50 oder auf www.rhein-museum.de

Koblenz AW vom Samstag, 4. Mai 2019, Seite 3 (106 Views)

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