Rhein-Hunsrück H

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Vom Kleider- und vom Leute-Machen

Der Erlös des Secondhand-Marktes am Hahn kommt wieder Kindern und Jugendlichen in Bolivien zu

-von Katja Schuler-

Zum dritten Mal in Folge stemmen insgesamt rund 50 engagierte Jugendliche unter der Organisation des Dekanats Simmern-Kastellaun einen großen Secondhand-Kleidermarkt. Auch diesmal ist die Jugendkirche „Crossport to Heaven“ auf dem Flughafen Hahn Ort des Handels mit dem „FairWertung“-Siegel. Fast eine Tonne Kleidung wartet an sieben Tagen auf neue Besitzer. AM WOCHENENDE warf einen Blick hinter die Kulissen.

„Wer beim Gedanken an gebrauchte Textilien die Nase rümpft, dürfte sich eigentlich auch in kein Hotelbett legen. Was also sollte gegen gut erhaltene und gereinigte Kleidung sprechen?“ Diese Frage stellt Claudia Jörg, Mitglied im Leitungsteam der Dekanatsjugendrunde.

Scheu vor Second-Hand sinkt

Wieder einmal steckt die 44-Jährige viele ehrenamtliche Stunden in die Organisation der Verkaufsaktion. Mit ihrem Vergleich möchte sie denjenigen den Wind aus den Segeln nehmen, die Secondhand noch immer pikiert in die Schmuddelecke verbannen. „Diese Haltung wird aber immer seltener“, stellt Jörg fest.

Sowohl sie als auch Diakon Clemens Fey sind rundum begeistert von der Tatkraft der jungen Helfer vor Ort. „Die meisten von ihnen gehen auf die Paul-Schneider-Realschule plus in Büchenbeuren, die ja beständig wegen des großen sozialen Engagements von sich hören lässt“, so Jörg. Vor allem die Sprachvorschulklassen von Nina Dieser und Valentina Lindner sowie Olga Kempel vom Zehnerteam konnten viele Mitstreiter mobilisieren.

„Sowohl die Lehrer als auch wir Vertreter der Kirche betrachten das Ganze aus verschiedenen Perspektiven“, holt Diakon Fey aus. „Da ist einerseits Empathie für Gleichaltrige in einem immer noch armen Land gefragt, die einem das Mitmachen Wert sein müssen. Auf der anderen Seite wollen wir aber auch Hintergründe erläutern: Wie funktioniert der globale Handelsmarkt? Wie sind die Produktionsbedingungen, wie hoch die Ressourcenkosten für Textilien aller Art? Auch soll vermittelt werden, warum es nachhaltiger ist, Kleiderspenden hierzulande im Kreislauf zu behalten.“

Jörg findet zudem, dass die jungen Leute auch für sich persönlich viel bei der praktischen Arbeit lernen können: „Es müssen ja gigantische Mengen an Klamotten geduldig ausgepackt und auf Bügel gehängt werden. Danach sind die Verkaufspreise einzuschätzen und am Etikett auszuzeichnen. Wer an der Kasse Dienst tut, hat natürlich auch eine verantwortungsvolle Aufgabe.“ Dabei ginge es also um Kompetenzen, die später im Berufsleben erwartet würden.

Auch spreche man über das Thema „Kleider machen Leute – aber wie und warum?“ Dabei versuche man zum Beispiel die Gründe dafür auszumachen, weshalb teure Markenklamotten oftmals so identitätsstiftend und wichtig für das Selbstwertgefühl junger Menschen seien. „Wieso ist jemand mit einem kaputten Markenteil immer noch ein cooler Hecht, einer mit einem gepflegten Billig-Label nicht?“, will Jörg wissen.

Wie viel Einfluss haben Klamotten?

Sehr viel Denk- und Gesprächsstoff habe ein Rollenspiel zum Üben eines Bewerbungsgesprächs zur Folge gehabt. Der Clou dabei: Während „der gut qualifizierte Bewerber“ in einen ollen Jogginganzug gesteckt wurde, durfte „der weniger kompetente Kandidat“ in einem schnieken Anzug auftreten.

Doch egal, ob Sportdress oder Zweireiher: Wie bereits erwähnt, stammt das komplette Angebot des Kleidermarkts – und das reicht von Alltagsklamotten über Oktoberfest- und Trachtenmode, Ballkleider, Faschingskostüme und Accessoires – aus Spenden. Teils wurden diese vor Ort abgegeben, das weitaus größere Kontingent aber kommt von anderen großen Kleidermärkten, nach einem Rotationsprinzip. Manchmal spenden auch Firmen leicht fehlerhafte Neuware.

Die ersten Bolivienkleidersammlungen wurden im Bistum Trier übrigens erstmals 1966 durchgeführt. Im vergangenen Jahr erzielte die Aktion knapp 2300 Euro.

Rhein-Hunsrück H vom Samstag, 9. Februar 2019, Seite 7 (9 Views)

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