Koblenzer Schängel

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Koblenzer Stadtrat

schreibt Geschichte

Antrag des Seniorenbeirates einstimmig angenommen

KOBLENZ. „Die Zahl der Menschen, die 65 Jahre und älter sind, hat sich in unserer Gesellschaft seit 1871 verzehnfacht: Heute sind das allein schon über 21 % der Bevölkerung, und nie zuvor waren – nach den Worten der Bundesministerin Giffey – so viele Ältere so gesund, so gut ausgebildet und so engagiert wie heute; sie tragen mehrheitlich in unserer Gesellschaft die Last des Ehrenamtes (Bundespräsident Steinmeier). Da ist es doch völlig sinnlos, dass jemand, der eben noch mit 69 ein Ehrenamt übernehmen durfte, von seinem 70. Geburtstag einen Tag später an dafür als ungeeignet gelten soll.“

Mit diesen Worten leitete der Vorsitzende des Seniorenbeirates, Heinz-Günther Borck, seine Erläuterungen zum Entschließungsantrag ein. Nur persönliche Eignung, nicht kalendarisches Alter solle für die Übernahme von Ehrenämtern maßgebend sein. Borck hielt die Altersgrenze für nicht vereinbar mit dem Willkürverbot von Grundgesetz und Landesverfassung und erinnerte daran, dass Koblenz als eine der ersten Städte Deutschlands bereits 1975 die Beschäftigung mit dem demografischen Wandel (wachsender Anteil Älterer an der Bevölkerung) als kommunale Aufgabe angesehen hat.

Da sich auch Stadtvorstand und sämtliche Redner der Ratsfraktionen für die Entschließung aussprachen, wurde sie einstimmig angenommen.

Die Entschließung soll der Landesregierung mit der Bitte zugehen, sich für die Beseitigung noch bestehender starrer Altersgrenzen im Ehrenamt einzusetzen; auch die Koblenzer Landtags- und Bundestagsabgeordneten sollen um ihre Mitwirkung gebeten werden.

Ein Meilenstein

Erstmals überhaupt hat ein kommunales Selbstverwaltungsorgan eine derartige Entschließung angenommen und somit einen Meilenstein gesetzt auf dem Weg zum Altersdiskriminierungsverbot. Der Seniorenbeirat hofft auf politische Entscheidungen, die die von der EU 2012 geforderte demokratische Teilhabe auch älterer Menschen an den gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen verfassungsrechtlich absichern, entgegenstehende Hindernisse beseitigen und so einer Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken.

Koblenzer Schängel vom Mittwoch, 10. Oktober 2018, Seite 14 (5 Views)

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