Koblenzer Schängel

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Seit Jugendzeiten an bin ich ein begeisterter Fahrradfahrer. Mein erstes Rad wurde auf Raten bei der Firma Fahrrad-Franz im Altengraben gekauft. In der Lehre hatte ich einen Gesellen, der Radrennfahrer war. Wenn wir morgens von der Werkstatt zur Arbeit fuhren, gab er das Tempo vor. Ich kam schon ausgepumpt auf der Baustelle an. Er brachte mir auch bei, den Windschatten zu nutzen. Darum wollte ich unbedingt dabei sein, wenn die Radprofis zur Deutschland Tour am Eck starteten. Wenn schon in unserer Stadt so eine Veranstaltung über die Bühne geht, muss man dabei sein.

Ich habe mich gewundert, wie gering am Donnerstag der Verkehr in der Altstadt war. Nach 10 Uhr war kaum ein Auto im Weg, sogar die Burgstraße am Florinsmarkt vorbei war ohne Falschparker, da kümmerte sich in hervorragender Weise das Ordnungsamt drum. Viele andere Verkehrsteilnehmer und ich, würden sich so einen Einsatz das ganze Jahr über wünschen. Da konnte man mal sehen, was unser Ordnungsamt alles leisten kann, wenn es will.

Im Rahmenprogramm der Tour war ja eine Rundfahrt für Amateure vorgesehen. Da wollte ich mitmachen. In der Zeitung stand aber, dass es eine Helmpflicht gibt. Leider bin ich, ich gebe es ehrlich zu, ein Helmmuffel, habe also keinen Fahrradhelm. Was nun? Da fiel mir meine alte Pickelhaube ein. Das war ja ursprünglich auch mal ein Schutzhelm – und Helm ist Helm. Also fuhr ich mit dieser Kopfbedeckung zum Treffpunkt am Eck und wurde sogar akzeptiert. Selbst die Polizei hatte keine Einwände – ich durfte mitfahren. Viele Leute klatschten und einige wollten sogar ein Foto mit mir und meiner Pickelhaube. Dann gab es den fliegenden Start. Ich hatte mich ziemlich hinten eingereiht, weil ich befürchtete, dass wenn ich vorne das Tempo vorgeben würde, vielleicht nicht alle Amateure mithalten könnten. Eigentlich wollte ich die ganze Strecke radeln, aber mir wurde angst und bang, denn hinter mir fielen am laufenden Band, obwohl das Tempo gar nicht so hoch war, Radfahrer um und blieben auf der Straße liegen. Die meisten von denen waren halb so alt wie ich und schon platt. Da stieg auch ich beim Gasthaus „Deutscher Kaiser“ aus dem Sattel, denn ich wollte meine Gesundheit nicht riskieren. Ich schob mein Rad nach Hause und stellte die Pickelhaube wieder ins Regal.

Später erfuhr ich, dass die umgefallenen Radfahrer nicht platt waren, sondern für mehr und sicherere Radwege in unserer Stadt demonstrierten. Aber da war für mich die Rundfahrt schon gelaufen.

Manfred Gniffke

Koblenzer Schängel vom Mittwoch, 29. August 2018, Seite 3 (23 Views)

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