Bad Kreuznach

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Begleitung in einer besonderen Lebensphase

Bettina Keller bietet in der Palliativmedizin Klangmassagen an und hilft den Menschen dabei, innere Ruhe zu finden

BAD KREUZNACH. -st- Sanfte Klänge, die das Gefühl von Ruhe und Geborgenheit vermitteln. Feine Klangvibrationen, die körperlich spürbar sind und sich sanft über die Haut, das Gewebe, die Organe, Knochen, Körperholräume und Körperflüssigkeiten im gesamten Körper ausbreiten. Wie vielseitig die Klangmassage einsetzbar ist, wird deutlich, wenn Bettina Keller von ihrem Engagement im Hospiz, aber auch in Wellnesseinrichtungen berichtet. Sie ist neben ihrem Job als Krankenschwester noch als Klangmassagepraktikerin tätig.

„Für mich war die Ausbildung die perfekte Erweiterung zu meinem Job“, sagt die Frei-Laubersheimerin. Als sie 2007 einen Bandscheibenvorfall mit einem Nervenschaden erlitt – als Folge der harten körperlichen Arbeit in der Pflege – beschäftigte sie sich zum ersten Mal damit, was sie parallel zu ihrer Tätigkeit im Krankenhaus, die sich ab da nur noch auf den Bereich der Administration beschränkte, machen könnte. „Ich habe dadurch kaum noch Kontakt zu den Patienten. Dabei war mir genau das immer sehr wichtig“, erklärt sie. Im Internet recherchierte sie und stieß dabei auf die Klangmassage nach Peter Hess. Diese wurde 1984 von dem Physikingenieur und Berufsschullehrer für Elektrotechnik und Politik, Peter Hess, entwickelt. Hierbei werden spezielle Klangschalen auf und um den bekleideten Körper positioniert und sanft angeschlagen. „Da ich selbst ein sehr bodenständiger Mensch bin und allem Spirituellen erst einmal skeptisch gegenüber stehe, habe ich mich per Modulsystem ausbilden lassen“, erklärt sie. Sie zog die Ausbildung auch deswegen durch, weil sie sich damit tatsächlich gut identifizieren konnte. „Ich selbst empfinde den Klang der Schalen als sehr wohltuend und kann damit selbst zur Ruhe kommen.“ Bei der Methode werden verschiedene Klangschalen, die allesamt Resonanzkörper sind, mit einem Schlägel angeschlagen. Dabei fängt die Schale an zu vibrieren und erzeugt – je nach Beschaffenheit und Intensität – unterschiedliche Töne. Die wiederum führen dazu, dass der Körper in einen Zustand der inneren Ruhe versetzt wird. Das soll positive Auswirkungen wie die Stärkung des Selbstbewusstsein oder eine schnellere Gesundung bewirken. „Ich bin da aber ganz realistisch und weiß, dass auch die Klangmassage sicher kein Allheilmittel ist. Aber sie wirkt sich bei den meisten Menschen positiv auf das Wohlbefinden aus.“

Hilfe in besonderer Lebensphase

Zudem sei die Verknüpfung mit ihrem Beruf – wie schon erwähnt – sehr eng. Stichwort Sterbebegleitung. „Damit wurde ich natürlich als Krankenschwester immer wieder konfrontiert und habe dadurch gelernt, mit solchen Situationen umzugehen.“ Die Klangmassage wird auch in der Palliativmedizin eingesetzt. Es gibt hierzu ein spezielles Seminar, das Bettina Keller belegt hat. Und so besucht sie seit rund einem Jahr einmal wöchentlich das Hospiz in Simmern, um den Sterbenden, aber auch deren Angehörigen besondere Momente zu schenken. „Ich denke, in erster Linie geht es tatsächlich darum, dass ich mir Zeit für die Menschen nehme.“ Dabei ist es nicht einmal zwangsläufig so, dass es zu einer Klangmassage kommen muss. Es kann auch sein, dass die gelernte Krankenschwester nur mit dem Menschen redet. „Ich zwinge keinem etwas auf. Jeder soll das selbst entscheiden.“ So sei es auch schon vorgekommen, dass eine ältere Frau die Methode als „Scheißdreck“ bezeichnet habe. „Ich fand das gut und habe mich überhaupt nicht gekränkt gefühlt.“ Es sei aber auch passiert, dass ein ehemaliger Lkw-Fahrer sich darauf eingelassen und begeistert reagiert habe. „Die Menschen, die ich im Hospiz antreffe, befinden sich in einer besonderen Phase ihres Lebens. Da geht es dann nicht mehr darum, dass etwas spirituell Angehauchtes wie die Klangmassage eigentlich nicht zum Image eines Lkw-Fahrers passt.“

Den Alltag für kurze Zeit vergessen

Je nach körperlicher und auch seelischer Verfassung des Menschen besteht entweder die Option, die Klangschalen direkt auf dem Körper zu positionieren. Dann stehen die Vibrationen im Fokus. Oder aber es geht um den Klang, der durch die Schalen erzeugt wird. Dies kombiniert Bettina Keller gerne mit einer Fantasiereise. Hier liest sie Geschichten vor, die sie selbst geschrieben hat und mit denen sie – wie der Name schon sagt – die Menschen mit auf eine Reise nimmt. Weg vom Alltag. Wegen von der Krankheit. Hin in eine Welt voller Geborgenheit und Ruhe. „Dadurch, dass ich keine vorgedruckten Geschichten nehme, kann ich immer auch persönliche Dinge einfließen lassen und auf die Vorlieben der Menschen eingehen“, beschreibt die 53-Jährige.

Bettina Keller empfindet den Kontakt zu den todkranken Menschen und deren Angehörigen als etwas Besonderes. Sie ist dankbar für die Erfahrung. „Ich bin ein Wegbegleiter in dieser letzten Phase des Lebens. Das sehe ich als Geschenk.“ Natürlich koste es auch Kraft und setze voraus, dass das eigene Leben in Balance ist. „Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich noch einen festen Arbeitsplatz habe. Das nimmt mir Druck.“ Finanziert wird das Angebot über den Förderverein des Krankenhauses und des stationären Hospizes in Simmern.

Völlig anders gestaltet sich unterdessen das, was Bettina Keller im Zentrum für Körper und Seele in Bad Kreuznach anbietet. Da steht der Wellnessaspekt im Fokus. Dort kombiniert sie ihre Klangschalenausbildung mit der progressiven Muskelentspannung. „Diese Weiterbildung habe ich auch gemacht, weil es für mich eine greifbare Methode war“, sagt sie. Hierbei werden verschiedene Muskeln des Körpers angespannt und wieder entspannt.

Der nächste Kurs „Progressive Muskelentspannung und Klang“ beginnt am 7. September und findet jeweils freitags von 16.30 bis 17.30 Uhr statt. Mehr Info unter www.zks-kh.de

Bad Kreuznach vom Samstag, 25. August 2018, Seite 7 (74 Views)

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