Bad Kreuznach

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Den Stein als Kunstwerk betrachten

Museum über Bad Münster am Stein zeigt Steine in ganz unterschiedlichen Formen und Ausprägungen

BAD MÜNSTER AM STEIN. -ww- Ein Rundgang durch das Steinskulpturen-Museum der Bildhauer-Familie Kubach-Wilmsen ist ein wenig auch ein Eintauchen in eine andere Welt. In eine Welt der Formen, des Unvergänglichen, in eine Welt, die Vergangenheit und Gegenwart, Altes und Neues zu einer perfekten Symbiose vereint. Steine, in liebevoller Detailarbeit zu Skulpturen geformt, sind hier zu sehen. Die Steine dienen Bildhauerin Anna Kubach-Wilmsen nicht als Material zum Zweck dienen, sondern tragen die Botschaft des Universums schon in sich.

Folgt man der Straße aus Ebernburg Richtung Golfplatz Nahetal, fallen einem die imposanten Steinskulpturen auf, die auf einem Areal von etwa 15 000 Quadratmetern in einem ehemaligen Weinberg mit direktem Blick auf den Rotenfels verteilt. Harmonisch fügen sie sich in die Landschaft ein, ebenso wie das architektonisch bemerkenswerte Steinskulpturen-Museum: Eine historische Fachwerkscheune aus der Region thront auf modernen Betonmauern. An Vorder- und Rückseite wurden die Lehmwände zwischen den Fachwerkbalken durch Glasfenster ersetzt, was zum einen für lichtdurchflutete Ausstellungsräume sorgt, zum anderen den Blick freigibt auf die Landschaft des Rotenfels und auf die Museumshöfe. Der eine gestaltet mit einem reflektierenden Wasserspiegel, der andere mit einer Kiesfläche. Der international renommierte japanische Architekt Tadao Ando entwarf diese spannende Symbiose aus Alt und Neu. Im Jahre 2010 wurden Steinskulpturen-Museum und -Park eröffnet.

Initiatoren waren das bekannte Künstlerehepaar Anna Kubach-Wilmsen und Wolfgang Kubach, die schon 1998 die Stiftung „Fondation Kubach-Wilmsen“ begründet hatten, um eben dieses Projekt, gewissermaßen die Krönung ihres Lebenswerks, zu realisieren. Wolfgang Kubach bekam die Fertigstellung allerdings nicht mehr mit, da er 2007 im Alter von 71 Jahren verstarb. Er und Anna Wilmsen hatten zwischen 1959 und 1965 zusammen an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert. Sie heirateten und nach dem Studium zog es sie nach Bad Münster, in Wolfgang Kubachs Heimat. „In der Provinz war es damals ganz schwierig, als Künstler ist man erst mal arm, wir haben anfangs sozusagen aus dem Garten gelebt,“ erinnert sich Anna Kubach-Wilmsen. Als die beiden die alte Kirche in Hackenheim kauften und zum Atelier umbauten, kamen die ersten Galeristen und fragten nach Ausstellungen. Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass die Bildhauerei das künstlerische Schaffen des Ehepaars bestimmen sollte. Dabei arbeiteten sie immer zusammen. „Mein Mann hat eher die groben Arbeiten gemacht und ich meistens den Feinschliff“, beschreibt Anna Kubach-Wilmsen.

Der Stein als Materie mit einer Botschaft

Sie hatte schon seit ihrer Kindheit eine besondere Beziehung zum Stein entwickelt, hatte sich mit dessen Härte, aber auch Zerbrechlichkeit auseinandergesetzt. Später entwickelte sie eine neue künstlerische Sichtweise darauf. „Stein war in 2000 Jahren europäischer Skulpturengeschichte immer Material für die Form gewesen, die der Künstler ihm geben wollte, also Mittel zum künstlerischen, aber oft auch politischen oder sonstigen Zweck. Für mich ist er aber Materie, das Kunstwerk, die Geschichte ist schon in dem Stein vorhanden und ich als Künstler muss ihn nur schleifen, um dies freizulegen“, erläutert sie diesen anderen Blick auf den Stein als ein Relikt aus Millionen und Milliarden Jahren Erdgeschichte, als Augenzeuge und Produkt der Entwicklung über gewaltige Zeiträume hinweg.

Und so ist sie stets auf der Suche nach der im Stein versteckten Geschichte, nach der Botschaft, die dieser in sich trägt. Und eben nach der geeigneten künstlerischen Umsetzung, um diese sichtbar zu machen. Zu einer der prägenden künstlerischen Formen des Ehepaars wurde das Steinbuch, Skulpturen in Buchform aus unterschiedlichen Steinen und in verschiedenen Größen und Ausformungen. Dabei war dies ursprünglich gar nicht so beabsichtigt. „Ich hatte meinem Mann zu Ostern ein kleines Steinbuch geschenkt. Wir legten es auf den Boden. Er hat dann selbst noch zwei weitere entworfen und dazu gelegt, ich dann auch noch welche und so war irgendwann der ganze Boden voll. Ein Galerist, der das sah, schlug vor, dass wir eine Ausstellung damit machen. Wir wollten erst nicht, weil das irgendwie unsere private Sache war.“ Als ein befreundeter Künstler ebenfalls der Auffassung war, dass die Steinbücher ausgestellt werden müssten, da es so etwas noch nicht geben würde, ließen sich die beiden überzeugen. „Und so wurde es unser Bildhauer-Leben“, erzählt die Künstlerin. Mittlerweile kann man Hunderte solcher Kunstwerke auf der ganzen Welt besichtigen. Auch im Museum in Bad Münster sind rund 200 Steinbücher aus vielen unterschiedlichen Gesteinsarten, und damit in verschiedenen Farben und Beschaffenheiten, ausgestellt. Das Besondere daran ist, dass diese von den Besuchern auch angefasst werden dürfen, sogar angefasst werden sollen. „Es geht ja auch ums Begreifen, ein tolles und für unsere Arbeit wichtiges Wort, das es nur im Deutschen gibt und das gut beschreibt, wie man mit Kopf und Hand besser versteht“, sagt sie dazu. Die Steine sind Reliquien aus der Erdkruste und kommen aus aller Welt. Anna Kubach-Wilmsen bestellt diese allerdings nicht vom Schreibtisch aus, sondern fährt immer noch zu Stein-Ausstellungen, um sie selbst vor Ort auszusuchen. Ohnehin ist sie auch nach dem Tod ihres Mannes weiterhin bildhauerisch tätig. Und auch Tochter Livia Kubach ist in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten und schafft zusammen mit ihrem Mann Michael Kropp Steinskulpturen. Die Leidenschaft für die Bildhauerei stirbt als nicht aus bei den Kubachs.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.kubach-wilmsen.de

Bad Kreuznach vom Samstag, 25. August 2018, Seite 3 (101 Views)

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