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Nickenicher Chöre werben um junge Sänger

Hermann Bous will Versäumtes nachholen

NICKENICH. -schö- Es beschreibt sich so einfach und es illustriert die Stärken des Ortes. Nickenich am Laacher See, gelegen an der „Deutschen Vulkanstraße“ und an der „Straße der Römer“. Das allein muss schon genügen, um Lust auf den Ort zu machen. 3700 Einwohner hat die Gemeinde, die Teil der Verbandsgemeinde Pellenz ist.

Und 35 Vereine gibt es. Von den altehrwürdigen Schützen über die Fußballer, die immer wieder für Aufsehen gesorgt haben, bis hin zu den Sängern, die in der 1904 gegründeten Chorgemeinschaft zusammengefasst sind: der Männerchor, der Frauenchor und der gemischte Chor. Und sie sind nicht nur unverzichtbarer kultureller Inhalt der Gemeinde, sie wirken weit darüber hinaus und genießen Ansehen und Anerkennung. Unter anderem wurden sie mit dem Kulturpreis des Landkreises Mayen-Koblenz gewürdigt.

Und doch kommt es einem Aufschrei gleich, wenn der Männerchor jetzt an die Öffentlichkeit geht und für Nachwuchs wirbt. Die Chöre kommen in die Jahre und junge Leute fehlen. Das ist in Nickenich nicht anders als in vielen andere Orten auch. Hermann Bous, seit vier Jahren Vorsitzender der Chorgemeinschaft und zuvor 21 Jahre Vorsitzender des Männerchores, Architekt von Beruf, kennt die Nöte. „Wir bieten Schnupperproben an und sagen jedem, dass er ohne jede Verpflichtung daran teilnehmen kann. Jungen Leuten wollen wir die Lust auf Gesang vermitteln. Aber es geht nicht nur um junge Sänger, generell brauchen wir neue Sänger“, erzählt er. Der Bedarf an mehr Sängern gilt im Übrigen für alle drei Chöre des Vereins. Und dass in den Chören eine Mischung aus jungen und älteren Stimmen gut tut, steht außer Zweifel.

Woran mag es liegen, dass immer weniger junge Menschen in die Gesangvereine kommen? Ist das Thema Verein für die Jugend überholt, langweilig gar, liegt es an einem wenig attraktiven Liedgut?

Hermann Bous, der Nickenicher Vorsitzende, meint, es sei an allem etwas dran. Und ganz gewiss hätten es die Vereine in den Jahren, als sie noch genug Sänger aller Altersklassen hatten, versäumt, für die Zukunft vorzusorgen. Es gibt für ihn aber noch eine wichtige Erfahrung: Wenn junge Menschen erst einmal den Weg zum Chor gefunden haben, dann finden sie Gefallen an dieser Mischung aus Proben, öffentlichen Auftritten, auch Reisen. Es gehe heute vor allem darum, das Bild des Chores für die Jugend attraktiv zu machen.

Der Chor in Nickenich steht nicht allein mit seinem Problem, zu wenig Nachwuchs zu haben. Eigentlich betrifft es fast alle Chöre im Lande. Karl Wolff ist seit 12 Jahren Vorsitzender der Chorgemeinschaft Rheinland-Pfalz. 25 Kreis-Chorverbände gibt es, 1400 Chöre und 1 430 000 Mitglieder. Davon sind 48 000 aktive Sänger. Der Westerwälder Karl Wolff ist der oberste aller Sänger. Er liebt den Gesang und seine Chöre und er streitet und wirbt dafür: im Landesmusikrat um den Stellenwert der Chöre und gegenüber der Politik um öffentliche Anerkennung und Förderung. Den Nickenicher Chor schätzt er sehr und er versteht deren Sorgen. Karl Wolff geht in seinen Gedanken weit zurück. „Dass der Gesang kein Thema mehr in der Schule ist, das schmerzt sehr“, sagt er. Früher einmal seien die Kinder in der Schule mit dem Singen aufgewachsen. Das sei längst vorbei und für die Gesangskultur ein großer Verlust. Dass sich die Chöre ebenso fortentwickeln müssen wie auch das angebotene Liedgut, das steht für ihn fest. „Wer junge Leute für den Gesang gewinnen will, der muss das passende Angebot machen“, stellt er fest. In den Köpfen müsse sich einiges ändern. Und gibt zu, dass auch der Chorverband in dieser Richtung noch mehr investieren muss, etwa in eine bessere Öffentlichkeitsarbeit. Beiden, dem Nickenicher Vorsitzenden Hermann Bous und dem Präsidenten des Chorverbandes des Landes, geht es um ihre Liebe zum Gesang, um das Gemeinschaftserlebnis Chor und darum, die Menschen bei vielen Festen durch die Kraft und Leidenschaft des Liedes zu erfreuen. Eine Welt ohne Chöre und Gesang ist für sie undenkbar.

Wer Interesse hat, kann sich melden unter y (02632) 8 12 87 oder über e-mail: Chorgemeinschaft-nickenich.de

Andernacher Kurier vom Mittwoch, 15. August 2018, Seite 6 (131 Views)

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