Koblenzer Schängel

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„Ich schwetze wie en Bronnebotzer“, habe ich in den vergangenen Tagen öfter gehört. Aber der Planet drückt uns ja schon verdammt kräftig auf den Buckel und aufs Gemüt. So müssen die Temperaturen im Fegefeuer sein, wenn es diese uns immer angedrohte Vorschmor-Einrichtung wirklich gibt.

Ich ziehe den Hut vor den Männern, Frauen habe ich noch keine bei dieser schweren Arbeit gesehen, die jetzt mit ihren Teermaschinen unterwegs sind. Von unten, von oben, von vorne und hinten heiß – das muss doch eine Höllenqual sein. Ich glaube die Arbeiter im Saarplatzkreisel bedauern jetzt, dass sie vor der Hitzeperiode die Baustelle etwas vernachlässigt haben, jedenfalls machte es auf mich den Eindruck. Jetzt sind die armen Kerle die Leidtragenden. Eine in Koblenz ansässige große Bundesbehörde geht da fürsorglicher mit ihren Mitarbeitern um. Einige von denen dürfen bei vollen Bezügen arbeitslos schwitzen.

Mir tun ja besonders die Leute leid, die sich kein komplettes Auto leisten können und bei dieser Hitze ohne Dach durch die Gegend fahren müssen. Sie sind der prallen Sonne ausgesetzt, denn eine Klimaanlage haben die bedauernswerten Automobilisten ja sicher auch nicht.

Ich bin froh, dass ich als Rentner diese Hundstage im Schatten erleben darf. Gut, ich traue mich auch schon mal mit dem Fahrrad raus, aber meistens freiwillig. Ich kenne auch schöne, erholsame schattige Stellen in der Altstadt. Mein Fahrrad ist wie dressiert und wird vor der einen oder anderen Kneipe oder einem schattigen Biergarten von selbst langsamer. Da nützt kein Strampelgas mit Backenzündung, es streikt, als spürte es, was mir gut tut. Das erinnert mich an die schweren Gäule, die früher die Bierwagen durch die Stadt zogen. Die blieben auch vor jeder Kneipe stehen und warteten auf ihren Eimer Wasser.

Außer den Mitmenschen, die immer meckern, für die kein Wetter richtig ist, kann sich doch keiner über diesen Sommer beschweren. Gefühlsmäßig würde ich sagen, so waren die Sommer meiner Kindheit immer – vielleicht nicht so heiß wie in diesem Jahr. Wir konnten doch in den Ferien immer raus, Sonnenbrand war bei mir stets angesagt. Am Neuendorfer Eck wurde gebadet, die ganz mutigen schwammen an die Lastkähne, schwangen sich drauf und fuhren ein Stück den Rhein hoch mit. Dann wieder per Köpper vom Schiff in den Rhein und ab zum Badestrand. Das war gefährlich und viele Kapitäne versuchten mit Glasscherben, frisch geteerten Bordwänden oder dem schiffseigenen Wachhund – meistens war es ein Spitz – die schwimmenden Piraten von ihrem Schiff fernzuhalten. Aber wer es gewagt hat, erzählt heute noch mit Stolz davon.

Manfred Gniffke

Koblenzer Schängel vom Mittwoch, 1. August 2018, Seite 3 (33 Views)

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