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Einsatz für die Koblenzer Samtpfoten

Koblenzer Katzenhilfe erfordert seit mehr als 20 Jahren viel Engagement von den ehrenamtlichen Helfern

- von Birgit Piehler -

KOBLENZ. Die Einen verbinden mit ihnen Anschmiegsamkeit, Schnurren, penible Achtsamkeit in der Selbstpflege und sanfte Pfoten. Für die Anderen geht das Wort „Katze“ mit Eigensinn, Störungen in der Nacht, unangenehmen Gerüchen oder spitzen Krallen einher.

Nein, schlechte Gerüche oder kleine Hinterlassenschaften kann man keineswegs feststellen, wenn man das kleine Tierheim für Katzen in Koblenz-Neuendorf betritt. Für Uta Bach, zweite Vorsitzende der Katzenhilfe Koblenz, sind Katzen einfach liebenswerte Individuen, die zum Menschen und zueinander ein sensibles Verhältnis herstellen.

Ob Rasentiger oder Stubentiger – „Katzen sind sehr anpassungsfähig“, meint Uta Bach. „Es gibt viele Ammenmärchen über Katzen“, sagt sie und macht lachend mit ihrer Hand eine abwinkende Bewegung: „Schwarze Katzen bekommen wir oft sehr schlecht vermittelt. Sie will meist keiner haben.“ Vermutlich liege es noch immer an dem Aberglauben, schwarze Katzen würden Unglück bringen.

Seit 2004 ist Uta Bach in dem bereits seit über 20 Jahren bestehenden Koblenzer Verein aktiv und kümmert sich mit 24 weiteren Helfern ehrenamtlich um die Tiere, die ausgesetzt, vernachlässigt oder aber wild in Koblenz aufgegriffen wurden. Zwei Neuzugänge – ein getigertes Katzenpärchen – wurden kürzlich bei der Katzenhilfe abgegeben. „Sie sind bereits älter und haben schon immer zusammen gelebt.“ Dass das auch nicht immer so einfach sei, ergänzt die Katzenexpertin, „denn viele Leute möchten Jungtiere aufnehmen und keine ausgewachsenen oder angepassten Tiere.“

Dauerhafte Verantwortungsübernahme nötig

„Und trotzdem landen die Tiere oft aus den verschiedensten Gründen am Ende doch bei uns.“ Was die Leute nicht alles für Gründe nennen, berichtet Uta Bach und erzählt von Wohnungswechseln, Schwangerschaften, angeblichen Unzulänglichkeiten der Tiere. Man frage sich oft, warum die Leute sich das nicht schon früher überlegen, ob sie die Verantwortung für ein Tier dauerhaft übernehmen möchten oder können. Dennoch gäbe es natürlich nachvollziehbare Notfälle. Um den Katzen das Ausgesetzwerden und eine mögliche Odyssee zu ersparen, nimmt die Katzenhilfe die Tiere bereitwillig auf. Dass die Tiere angepasst sind, sei zwar richtig, aber ebenso könnten sie, wenn man etwas Geduld mit ihnen hat, sich auch auf eine neue Situation einstellen. Letztlich, so sagt Uta Bach, sind die Tiere gar nicht so auf den Menschen fixiert, sondern sie benötigen vor allem essenzielle Dinge wie Nahrung, Lebensraum, Pflege, etwas Möglichkeit, ihre „Geschäftigkeiten“ sauber verrichten zu können und sie nehmen gerne einen liebevollen Umgang an. Dabei können sie gegebenenfalls auch in der Wohnung gehalten werden. „Sie sind ebenso domestiziert wie der Hund“, sagt Uta Bach auf die Frage nach der artgerechten Haltung und dem Raum zum Jagen für eine Katze. Dabei stehe außer Frage, dass die Tiere gerne im Freien auf die Jagd gehen. Aber wenn man sie gut hält, sie etwas Platz und Gesellschaft haben, könne man sie auch drinnen halten.

Seit über 20 Jahren im Dienst der Katzen

Der Verein hätte in den 20 Jahren seines Bestehens schon viel geleistet, berichtet die engagierte Fachfrau. Viele Katzen konnte man vermitteln. 2014 hat man das kleine Katzenheim in Koblenz-Neuendorf gegründet, welches veterinärmedizinisch und ganz offiziell als Heim zugelassen ist. Bis zu acht Katzen dürfen hier gleichzeitig vorübergehend Quartier beziehen. Wenn es mehr sind, werden sie an Pflegestellen gegeben, bis sie vermittelt sind.

Dazu kommen Fang-Aktionen, bei denen wildernde Katzen in der Stadt Koblenz eingefangen, untersucht und kastriert werden. Hierbei könne man feststellen, ob sie entlaufen oder ausgesetzt worden sind, sich also problemlos aufnehmen lassen, oder ob sie schon in Freiheit geboren wurden und den Umgang mit den Menschen scheuen.

Die wilden Tiere muss man nach der Kastration wieder aussetzen, die anderen versucht man an neue Besitzer zu vermitteln. Auf diese Weise konnte man die Zahl der freilaufenden Tiere nun über die Jahre reduzieren. Die Maßnahmen zeigten Wirkung. Man hätte noch nie so wenig Tiere im Hause beherbergen müssen, wie in diesem Jahr, sagt Uta Bach erfreut.

Es gibt einen Dienstplan im Verein, der genau vorsieht, welcher ehrenamtliche Helfer wann in das kleine Katzenheim geht und die Tiere versorgt, säubert und ihnen einige liebevolle Streicheleinheiten zukommen lässt.

Uta Bach öffnet einen weiteren Raum, in den man durch eine „Katzenschleuse“ gelangt. Hier befinden sich auch einige Quarantäneboxen für „verdächtige“ Kandidaten, die man Gott sei Dank im Moment zur Bevorratung des Futters nutzen könne, lacht sie. Im Raum liegt in einem Körbchen eine Katzendame – Kitty – die vorsichtig über den Rand des Korbes schaut und genau beobachtet, was geschieht. „Sie ist noch in der Eingewöhnung. Wir geben ihr Zeit und lassen sie in Ruhe.“

Engagement für die Vierbeiner

Auf die Frage, wie der Verein die teuren Kastrationen und Behandlungen tragen könne, gibt die Vorsitzende in erster Linie Spenden und Mitgliedsbeiträge der etwa 130 Mitglieder an. Denn in Deutschland dürfen sich engagierte Tierärzte nicht durch kostenfreie Mithilfe einbringen. Weiterhin nehme man gerne Futterspenden an, auch werden Sachspenden auf Flohmärkten verkauft, deren Erlös an den Verein ginge.

Wo man auch sehr gerne noch mehr Unterstützung annehmen würde, sei das Engagement von Menschen, die als Pflegestellen Tiere vorübergehend aufnehmen bis neue Besitzer für die Tiere gefunden sind.

Und sie erhoffe sich, das Menschen, die nicht sicher sind, ob sie ihr Tier behalten können, den Verein zurate ziehen, denn hier kann man kompetenten Rat erhalten.

Uta Bach, deren Motivation für ihr Engagement für die Vierbeiner „einfach auf Tierliebe“ beruht, lässt noch einen Blick zu Kitty streifen, die sich unter den Stimmen des Gesprächs entspannt zur Ruhe gebettet hat, und beendet ihren heutigen Besuch bei ihren Schützlingen.

Weitere Informationen: www.koblenzer-katzenhilfe.de

Koblenz AW vom Samstag, 28. Juli 2018, Seite 5 (145 Views)

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