Rhein-Wied Kurier

Wählen Sie hier das Datum aus, um sich eine Ausgabe von LokalAnzeiger oder AM WOCHENENDE anzusehen

Das E-Paper-Archiv von LokalAnzeiger und AM WOCHENENDE

Wählen Sie hier die Ausgabe, die Sie gerne lesen möchten und bestimmen Sie den Erscheinungstag. Oder stöbern Sie einfach in der Übersicht. Viel Spaß!

 

Unkel punktet mit Originalität

Kulturstadt am Rhein wird offiziell dritter Erinnerungsstandort für Willy Brandt

UNKEL. -hjk- Die „Bundeskanzler Willy Brandt-Stiftung“ (BWBS) ist bereit, Unkel zum dritten Erinnerungsstandort – nach Berlin und Lübeck – zu machen. Mit dieser Nachricht eröffnete der Geschäftsführer des Willy Brandt-Forums (WBF) und Bürgermeister der Stadt Unkel Gerhard Hausen die Pressekonferenz des Willy Brandt-Forums (WBF).

Dies geschehe 50 Jahre nachdem Willy Brandt am 28. September 1969 zum ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler gewählt wurde, 40 Jahre nachdem Willy Brandt am 1. April 1979 nach Unkel gezogen ist, 30 Jahre nachdem Willy Brandt und Brigitte Seebacher-Brandt am 8. November 1989, am Tag des Mauerfalls, ihr neues Haus „Auf dem Rheinbüchel“ bezogen. Dass Berlin die Bedeutung des Standortes Unkel für die Erinnerung an Willy Brandt anerkenne, sei sichtbarer Ausdruck für die zukunftsorientierte und zugleich geschichtsbewusste Strahlkraft der Stadt Unkel.

Der WBF-Vorstandsvorsitzende, Rechtsanwalt Christoph Charlier, wies darauf hin, dass es gelungen sei, das WBF nach seiner Eröffnung am 21. März 2011 als überörtlich bekanntes Museum zu etablieren und erfolgreich zu führen. Als Beispiel seien genannt: Die Schenkung des Bronze-Portraits „Willy Brandt“ durch den Sammler Ulrich Scheufelen und die Fotoausstellung von Konrad R. Müller „Willy Brandt ein fotografisches Portrait“. Das WBF habe sein Profil als „nach vorne arbeitender Denk-Ort“ seit der Gründung durch etwa 75 gut wahrgenommener und zunehmend stärker besuchter Veranstaltungen geschärft.

Finanzierung?

Die Gretchenfrage der Finanzierung sei jedoch nicht gelöst. Man könne zwar die laufenden Kosten in Höhe von 60 000 € jährlich erwirtschaften, so habe es im Jahr 2017 zu einer schwarzen Null gereicht. Im Jahr zuvor sei jedoch ein Defizit von 5000 € aufgelaufen. Das WBF hat ein strukturelles Problem. Es besteht darin, dass sein Stiftungskapital im Wert von mehr als 1 Mio € eine Immobilie aus den frühen 1970er Jahren ist. Abgesehen davon, dass dieses Stiftungsvermögen nicht angetastet werden darf, so bedarf der Erhalt des Gebäudes absehbar großer Erhaltungsinvestitionen. Eine ähnliche Problematik betrifft auch die nunmehr seit sieben Jahren erfolgreich laufende Ausstellung. Lampen, Projektoren, Monitore und anderes technisches Equipment müssen aufgrund des Alters irgendwann ausgetauscht werden. Da das WBF keine Zuschüsse aus Steuermitteln erhält, war dieses strukturelle Finanzierungsproblem absehbar und es wurde gegengesteuert: Durch Gründung eines Fördervereins und einer aktuell laufenden Sponsoring-Aktion. Das ganze wird begleitet durch eine restriktive Ausgabenpolitik, zum Beispiel wurde der Werbeetat auf ein drittel gekürzt. Auch hat das WBF Kontakt zur BWBS aufgenommen, mit dem Ziel einer finanziellen Unterstützung.

Dieser Vorstoß wurde von Ministerpräsident a.D. Kurt Beck, Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung, aktiv unterstützt. Das gleiche gilt für Brigitte Seebacher, die Mitglied auf Lebenszeit in beiden Kuratorien ist.

Die BWBS steht dem Anliegen des WBF aufgeschlossen gegenüber, organisatorische und förderrechtliche Probleme sind aber noch zu klären. Unter anderem bedarf es der Zustimmung des Bundeskultusministeriums, wenn Fördermittel weitergegeben werden. Die BWBS unterhält eine große Ausstellung in Berlin und ein Haus mit Ausstellung in Brandts Geburtsstadt Lübeck. Unkel ist nun dritter und kleinster Erinnerungsort an Willy Brandt.

Im wesentlichen sind es zwei Wege auf denen die Berliner Stiftung das WBF finanziell unterstützen kann: Projektförderung und Kooperation. In diesem Jahr hat das BWBS das WBF erstmals mit einer Projektförderung in Höhe von 4000 € unterstützt. Leider lief in diesem Jahr auch eine seit zwei Jahren bestehende Gewerbeförderung in gleicher Höhe durch die Deutsche Post aus.

Kooperation oder Fusion?

Der WBF-Vorstand wird Verhandlungen mit dem Vorstand der BWBS aufnehmen, mit dem Ziel einer Kooperation bis hin zu einer Fusion zwischen beiden Organisationen. Es sei selbstverständlich bei dem jetzt eingeschlagenen Weg, dass Brigitte Seelbacher aufgrund ihrer Doppel-Mitgliedschaft und ihrer besonderen Zeitzeugenschaft eine zentrale Rolle gespielt hat und spielen wird.

Bereits derzeit gibt es eine enge Kommunikation zwischen WBF und BWBS, deren Vorstand in diesem Jahr Unkel besuchen wird. Die Kooperation mit den Berlinern bietet dem WBF erstmals die Chance einer dauerhaften Finanzierung und damit die Bestandssicherung. Da das BWBS aus dem Bundeshaushalt mit einem Betrag von 2,6 Mio € jährlich bezuschusst wird, ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass das Bundesfinanzministerium zusätzlichen Finanzierungswünschen mehr als zugeknöpft gegenüberstehen wird. Deshalb ist die Kooperation, beziehungsweise Fusion von WBF und BWBS die einzige Möglichkeit des dauerhaften Bestand der hiesigen Stiftung.

Der Erinnerungsstandort Unkel kann zwar bei weitem nicht mit den Besucherzahlen in Berlin und Lübeck mithalten, macht es aber durch Originalität und Authentizität wieder wett.

Rhein-Wied Kurier vom Mittwoch, 30. Mai 2018, Seite 3 (29 Views)

ZURÜCK ZUR SEITE

 

<   Mai   >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31