Rhein-Wied Kurier

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Willy Brandt schlägt auch

heute noch Brücken

Amigo Aléman sitzt am Strand und gleichzeitig im Museum

UNKEL. Das musste Niklas Strauscheid, der auf der Ferieninsel Fuerteventura arbeitet, seiner Oma Elfriede Probst in Unkel ganz dringend erzählen. Nicht weit von dem Hotel, in dem der gelernte Schneider jobbt, sitzt ein bronzener Willy Brandt am Strand von Jandia und blickt aufs Meer, eine Arbeit des kubanischen Künstlers Rafael Goméz.

Elfriede Probst kennt das Motiv, es hängt als großformatige Fotoreproduktion an der Wand im Ausstellungsraum des Unkeler Willy-Brandt-Forums, wo Elfriede Probst, vorzugsweise an Sonntagen, ihren ehrenamtlichen Dienst versieht.

Doch wie kam es dazu? Als Bundeskanzler Willy Brandt mit Familie zum Weihnachtsurlaub an der Jahreswende 1972/73 die damals noch zu recht so genannte „Stille Insel“ auswählte, begleitete ihn Stern-Fotograf Robert Lebeck. In seinem Strandbild hält der unlängst verstorbene Starfotograf den Moment fest, als der Politiker mit umgeschlagener, langer Hose und offenem Hemd – es ist Dezember – aufs Meer blickt. Brandt ist in Urlaub, die Regierungslast scheint von ihm abgefallen, er ruht in sich. Dabei wird 1973 sein Seuchenjahr.

Nach dem Aufsteig kommt der Abstieg

Nach dem großen Wahlsieg in der 1972er Willy-Wahl erkrankt er, die Stimme ist weg, strenges Rauchverbot. Die Stimmung in der sozialliberalen Koalition ist auch mies. Als Brandt aus dem Urlaub nach Bonn zurückkommt, eröffnet ihm sein Außenminister Walter Scheel, dass er Bundespräsident werden will. Auch das noch, Brandt muss seine Regierung umbilden und das ist noch das wenigste. Wenige Monate später tritt Brandt wegen des Spions Günter Guillaume zurück.

Eine Statue und Brücken

45 Jahre nach dem Aufenthalt des Bundeskanzlers auf der Insel, am 27. Oktober 2017, enthüllte der örtliche Bürgermeister Rafael Perdomo in Anwesenheit hochrangiger Regierungsbeamter und Angehöriges des Deutschen Konsulats die Statue. Dort scheint man zu wissen, was zur Ankurbelung des Tourismus taugt. Der Amigo Alemán (Deutscher Freund) hat in Spanien immer noch einen guten Ruf, wohl auch wegen seines politischen Enkels Felipe Gonzaléz, spanischer Vorsitzender der SPD-Schwesterpartei und später Regierungschef des Landes.

Ein Hund als Begleiter

Brandt ist also immer noch gut für das, was er ein Leben lang gekonnt hat. Er schlägt Brücken – wie diese zwischen Fuerteventura und Unkel, zwischen Enkel und Oma. Wer nach Fuerteventura reist, kann auch bei Willy Brandt auf der Strandpromenade in Morro Jable vorbeischauen.

Und wer ist eigentlich der Hund an seiner Seite ist? Auch ein Mitglied der Familie Willy Brandt, Husser mit Namen. Spötter meinten eine Mischung aus Dackel und Bernhardiner.

Rhein-Wied Kurier vom Mittwoch, 28. März 2018, Seite 3 (28 Views)

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