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Große Ehre für eine starke Idee

Eine Gesinnung geht um die Welt: Genossenschaftsidee ist UNESCO-Kulturerbe

Der argentinische Tango, das Fladenbrot, die chinesische Heilmedizin – die UNESCO-Liste zum Immateriellen Kulturerbe lobt und schützt Meisterwerke menschlicher Schaffenskraft. Seit November 2016 zählt auch die Genossenschaftsidee aus dem Westerwald dazu.

Vorweihnachtliche Stimmung in Deutschland, Volksfeststimmung in Addis Abeba: 700 Vertreterinnen und Vertreter aus 173 Staaten waren in die äthiopische Hauptstadt gekommen, um vor Ort zu erfahren, ob ihr Vorschlag Erfolg haben würde. „Idee und Praxis der Organisation von gemeinsamen Interessen in Genossenschaften“ – mit diesem etwas sperrigen Titel warb die deutsche Bundesregierung um die Aufnahme in die Liste – eine Bewertung, die „erfunden“ und getragen wurde von der Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft und der Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft.

„Ich bin dankbar, all das erlebt zu haben“, erinnert sich Josef Zolk, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft. Im United Nations Economic Commission for Africa Conference Centre verfolgten er und Christine M. Merkel live von der Deutschen UNESCO-Kommission die Beratungen des Zwischenstaatlichen Ausschusses der UNESCO. Das 24-köpfige Komitee hatte über insgesamt 50 Nominierungen aus der ganzen Welt zu entscheiden. Als schließlich der heimische Antrag, ein soziales Schichtsystem der äthiopischen Volksgruppe Oromo, zum Immateriellen Kulturerbe erklärt wurde, gab es kein Halten mehr.

„Die Oromo tanzten in ihrer weißen Stammestracht und zeigten ihre ganze Rührung und Freude, die auf uns alle übersprang“, berichtet Josef Zolk.

Eine neue Dimension

Für Christine M. Merkel, Leiterin des Fachbereichs Kultur, Kommunikation, Memory of the World bei der Deutschen UNESCO-Vertretung in Bonn, war es zwar nicht die erste Konferenz dieser Art, aber eine ganz besonders spannende. „Es war das allererste Mal, dass Deutschland einen Vorschlag bei der UNESCO eingereicht hat. Und dann war es gleich eine Idee, mit der wir eine neue Dimension des Immateriellen Kulturerbes aufgezeigt haben. Die Genossenschaftsidee ist keine klassische Kulturform wie etwa der Instrumentenbau“, erklärt sie. Dabei erhielt die deutsche Delegation vor Ort viel Zustimmung aus allen Ecken der Welt. „Wir hatten zum Beispiel intensive Gespräche mit Kollegen aus Algerien, Guatemala und dem Libanon, die alle der Meinung waren, dass die Genossenschaftsidee auf die Liste gehört. Kultur heißt eben auch: Wie organisiert sich eine Gesellschaft für nachhaltige Entwicklung?“, erläutert Christine M. Merkel.

Spannung zum Schluss

Gegen 20 Uhr Ortszeit, mit satten zwei Stunden Verspätung, war es dann endlich offiziell. „Alle Anwesenden konnten die Entscheidung auf einer großen Leinwand mitverfolgen. Das ist wie eine Operation am offenen Herzen“, erinnert sich Christine M. Merkel. Warum das Konzept überzeugt hat? Merkel ist sich sicher: „Wir konnten zeigen, dass die Initiative von der Genossenschaftsbewegung selber getragen wird und deutlich machen, wie wandlungsfähig Genossenschaften sind.“ Für Josef Zolk mischten sich in der Stunde der Entscheidung Erleichterung mit Freude und Stolz. „Genossenschaft als Wertegemeinschaft mit den Zielen soziale Gerechtigkeit, Zusammenhalt, Solidarität, Partizipation und demokratische Strukturen ist ein weltweiter Wunsch. Diese Idee ist auf der ganzen Welt erfolgreich und wird unterstützt. Dieses Gefühl der Anerkennung ist nicht zu beschreiben.“

Rhein-Wied Kurier vom Mittwoch, 28. März 2018, Seite 11 (52 Views)

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