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„Weindorf Bornich und so Drumherum“

Friedel Becker animiert zum Kauf und zur Aufzucht von Weinreben

BORNICH. Bornich ist ein Weindorf, eine Gemeinde, die von Winzern geprägt ist – und das seit Jahrhunderten. Jedes Haus, jeder Garten, hatte einen Rebstock. Aber nicht unbedingt zur Weinbereitung, nein, es waren überwiegend Esstrauben – heute Tafeltrauben genannt. In Zeiten, als die Einwohner noch kein Lebensmittelgeschäft hatten, und in denen alle Früchte zu jeder Zeit verfügbar sind, waren sie auf die Früchte ihrer Gärten und Streuobstwiesen angewiesen.

Damals waren die „Tafeltrauben“ in Bornich meist von den Sorten „Weißer- und Roter Gutedel“. Sie mussten vor echtem Tau und falschen Mehltau geschützt werden. Mitten im Dorf Pflanzenschutzmittel? Oft färbten diese nicht nur die Reben und Trauben, sondern auch die weiß getünchten Hauswände gelb. Hausreben gerieten aus der Mode. Also was tun, damit Bornich als Weindorf wieder sichtbarer wird ?

Nun ganz einfach: neue Hausreben pflanzen. Heute gibt es pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Es gibt sie in allen Farben, von frühreif bis spät, sogar kernlos. Alles, was sie brauchen, ist ein Platz an der Sonne. Er muss nicht groß, aber offen sein. Die Rebe wächst auf allen Böden. Das Einzige, was sie nicht mag, ist Staunässe. Ansonsten wächst sie und wächst und wächst. Damit sie ranken kann, benötigt sie allerdings eine Art Erziehung, ein Gerüst, ein Spalier.

Reben klettern hoch. Ihre Vorfahren sind „Waldreben“. Sie ranken Bäume hoch, zum Licht, zur Sonne und wurzeln gleichzeitig tief. „Wäre es nicht schön, wenn wieder mehr Hausreben, Tafeltrauben und vielleicht sogar „Rebenbögen“ wie in der Pfalz das Dorf Bornich zierten? Wäre es nicht ein gutes Zeichen für ein „lebendiges, fruchtbares Dorf“, ein Erkennungs- und Alleinstellungsmerkmal?“, fragt Friedel Becker aus Bornich.

In diesem Sinne möchte die „Zukunftswerkstatt Bornich“ zurück zu den Wurzeln und neue Wege gehen. „Wir wollen Hausreben in Bornich fördern, ihnen eine neu Heimat geben, sie im Ortsbild sichtbarer und damit auch essbar machen“, fährt er fort. Möglich soll das werden, „indem wir Hausreben, Pflanzanleitung, Schnitt- und Erziehungstechnik anbieten, zeigen, vormachen, nachmachen lassen. Rankgerüste vorschlagen, Material besorgen und aufbauen helfen.“, informiert Becker.

Die pilzwiderstandsfähigen Tafeltrauben können ab sofort bestellt werden. Es wird darum gebeten, die Farbe, die Reifezeit, kernlos-, oder nicht, anzugeben. Adresse und Standort sind auch wichtig. Ein Tipp: das kostenloses Geoportal.RLP benutzen – eigene Adresse, oder Pflanzstelle eingeben, drucken oder ein Bildschirmfoto machen – und senden an Friedel Becker, Weiseler Straße 5, 56348 einwerfen oder per Post senden. Ein Anruf ist auch möglich unter (06771) 959427 (mit Anrufbeantworter). Per E-Mail ist der Kontakt möglich unter fb.bornich@t-online.de.

Die Reben werden etwa Mitte April in Bornich ankommen. Sie kosten pro Stück 7,50 €. Alles ist in der Grundausstattung für den Preis drin. Pflanzpfahl, Verbissschutz, Befestigungsmaterial, Pflanzanleitung und jede Menge Ideen zur „Erziehung“. Beratung gibt es natürlich gratis dazu.

Die Ausgabe, Pflanzung und deren Anleitung ist für Freitag, 23. April (14 Uhr), vorgesehen. Treffpunkt, Abholstelle und Praxisraum ist der Garten in der Weiseler Straße 5. Falls die Corona-Regeln dann noch gelten, sollten zur Übergabe individuelle Termine vereinbart werden.

Wer sich an der Aktion beteiligt, betreibt auch aktiv Naturschutz, dann Hausstockreben können mehr als 100 Jahre alt werden. Um so älter sie sind, umso mehr Lebewesen bieten sie eine komfortable Wohnstatt. Sie haben einen guten Einfluss auf das Kleinklima und den Schutz von Haus und Wänden. Sie erfreuen nicht nur mit schmackhaften Früchten, sondern auch mit Schatten spendendem und bunten Laub.

Nicht nur im Loreley-Dorf Bornich sind Hausreben allgegenwärtig – nein – in vielen Wein- und Rheingemeinden gehören sie seit Menschengedenken zum Ortsbild. Aus diesem Grund bieten wir just ab diesem Jahr Tafeltrauben für alle geeigneten Standorte – und Weinfreunde – rund um die Loreley an.

Bestellungen bitte bis Mittwoch, 20. Januar aufgeben. Dann sind die Reben zum Ende April da.


Rhein-Lahn AW vom Samstag, 9. Januar 2021, Seite 6