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Extreme Witterungsverhältnisse in unserer Region

Veranstaltung der SPD-Initiative Zukunftswerkstatt Niederfischbach diskutiert den Klimawandel

REGION. Starkregenereignisse am Fronleichnamstag mit großen Schäden in Betzdorf und Kirchen, ausgetrocknete Flussbetten nach einem Jahrhundertsommer. Was ist los mit unserem Wetter?

Unter diesem Motto hatte der SPD-Ortsverein Niederfischbach als Start seiner Initiative „Zukunftswerkstatt Niederfischbach“ eingeladen. Bernd Becker, Vorsitzender der örtlichen SPD, konnte neben zahlreichen Gästen auch den Bürgermeister der Stadt Kirchen, Andreas Hundhausen, Andreas Pfeil als stellvertretenden Wehrführer in Niederfischbach sowie den Aufsichtsratsvorsitzenden der Maxwäll Energiegenossenschaft, Fritz Hagemann, als Referenten zu dieser Veranstaltung begrüßen.

Einigkeit herrschte über die Ursachen für den globalen Klimawandel: Der steigende Energieverbrauch für Mobilität, Produktion und Wärme stünde den Klimazielen im Weg. Die CO2-Emissionen, die wir alle durch unser Konsumverhalten abgeben, stellen die wesentlichste Ursache für die Erderwärmung dar. Wenn die Klimaziele des Pariser Abkommens nicht eingehalten werden, würden große Mengen des 25fach klimawirksamen Methans, das zur Zeit noch im Permafrost festgehalten wird, freigesetzt und in die Atmosphäre abgegeben. Dies beschleunige wiederum die Erwärmung um ein Vielfaches und löse Prozesse aus, die unumkehrbar würden. „Also müsse man an den Schrauben drehen, die wir noch beeinflussen können“, so Fritz Hagemann. „Einzig Energiegewinne, die nicht auf der Basis von Verbrennungen gründen und dabei eben keinen Kohlenstoff verbrennen, können hier für Abhilfe sorgen. Energie muss regenerativ gewonnen werden“, so Hagemann weiter.

„Dass dies möglich ist zeigen die Fakten. So wurde von den energiekonzern-internen Experten noch in den 90er Jahren bestritten, dass aufgrund der klimatischen und topographischen Verhältnisse unseres Landes nie mehr als 3 bis maximal 5 % aus regenerativen Quellen gewonnen werden könnten. Trotz extrem steigenden Energiebedarfs bewegen wir uns heute da schon bei knapp 40 %.“

Zudem verwies Hagemann auf die Möglichkeit der Energieeinsparung durch entsprechende Dämmung, vor allem aber sei ein bescheideneres Konsumverhalten zielführend. „Strom kann alles“,so die provokante Formel vom Aufsichtsratsvorsitzenden, der in der Folge etliche Beispiele, wie regenerativer Strom aus Wind und Sonne sich gegenseitig ergänzen können, benannte. Speichermöglichkeiten auch durch Umwandlung in Gase, um die Energiespitzen abzufedern, wenn Wind und Sonne gemeinsam schlapp machen, seien in der Entwicklung. Aber auch die E-Mobilität, könne längst weiter sein, so Hagemann, wenn Politik und Industrie dies nur wollten.

Andreas Hundhausen, Stadtbürgermeister der Stadt Kirchen, ebenfalls als Referent geladen, berichtete in seinem Vortrag über die Starkregenereignisse in seiner Stadt, wo beispielsweise in der Klotzbach eine Straße innerhalb kurzer Zeit weggespült wurde.

Auf Forderung aus dem Publikum nach entsprechenden Konzepten, die unsere Infrastruktur und Gefährdungspotenziale bei Hochwassern ermitteln und simulieren, um künftig entsprechende Vorkehrungen zu treffen, konnte Hundhausen berichten, dass vom Land mit bis zu 90 % geförderte sogenannte „Klimafolgenanpassungscoaches“ u.a. für unsere Verbandgemeinde bereits in die Wege geleitet wurden.

Der Niederfischbacher SPD-Fraktionssprecher Kai Dietzel sprach sich im weiteren Verlauf der Diskussion dafür aus, Anreize zu schaffen, große Teile des Grundstücks eben nicht unnötig zuzupflastern oder zu teeren. Darüber hinaus lobte Dietzel die hiesigen Haubergsgenossenschaften, die sich vorbildlich um die Wirtschaftswege in den Wäldern kümmerten, also Querrinnen zur Ableitung von Regenwasser in den Waldboden pflegten, erneuerten oder errichteten. Damit leisteten sie einen entscheidenden Beitrag dazu, dass ein großer Teil der Wassermassen, die bei Starkregen sonst unkontrolliert die Berge hinab in die Tallagen flössen, bereits vorher abgeleitet würden.“

Auf die Frage von Moderator Bernd Becker , „Was wäre, wenn es denn doch passiert?“ , konnte schließlich Andreas Pfeil, SPD-Vorstandsmitglied und stellvertretender Wehrführer, einen Einblick in die Notfallpläne der Feuerwehren geben. Diese seien akribisch ausgearbeitet , unsere Feuerwehren gut organisiert, auch für derartige Notsituationen gewappnet und hochmotiviert. „Sollten sich die Anzahl und Komplexität der Einsätze jedoch weiter erhöhen, dann wird es eng“, so Pfeil weiter, „sowohl an Material, Gerät und Treibstoffe für Pumpen, Aggregate und Fahrzeuge.“ Ebenso die Unterbringung der Bevölkerungen in Notunterkünfte, Anforderungen an das Personal der Feuerwehren, DRK, THW und DLRG, sowie deren Verpflegung würden dann zu nie dagewesenen Herausforderungen.


Westerwald-Rundschau vom Mittwoch, 9. Januar 2019, Seite 5