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Mosel: Nicht immer schwappt die Begeisterung über

Autor Peter Friesenhahn nimmt seine Heimat mit Humor unter die Lupe / Neues Buch samt Videos erscheint in der kommenden Woche

PÜNDERICH. -kat- Er ist ein guter Beobachter und und er geht den Dingen gerne auf den Grund. In seinem neuen Buch „Flussgeschmack“ wirft Peter Friesenhahn einen besonderen Blick hinter die Kulissen seiner Heimat. Mit Humor und sanfter Ironie beschreibt er das Leben, Leiden und Lieben an der Mosel und geht Fragen nach wie „Was hilft gegen Hochwasser und Heimweh?“ oder „Kann man sich nach seinem Tod in der Mosel verstreuen lassen?“.

Peter Friesenhahn hat es sich auf seinem Sessel vor dem Bücherregal gemütlich gemacht. Das Feuer im Ofen prasselt und vertreibt die Kälte, die der neblige Morgen vor dem Fenster verheißt. Hier, im zweiten Stock des Wohnhauses, saß der Pündericher auch beim großen Moselhochwasser 1993. Ähnlich kalt war es damals draußen. Doch nicht nur Nebel, sondern auch die Moselfluten umgaben das Haus komplett.

Wie vielen anderen Moselanern ist auch Peter Friesenhahn dieses Hochwasser in Erinnerung geblieben. Schon damals hatte er die Idee, Gedanken und Erlebnisse der Menschen zu diesem Erlebnis zu sammeln und zu veröffentlichen. Doch schnell stellte er fest: Die Schilderungen der Betroffenen glichen sich sehr. „Im Prinzip erzählten alle das Gleiche“, schmunzelt der 66-Jährige. Die Idee für ein Buch über das Hochwasser verschwand wieder in der Versenkung – um Jahre später wieder aufzutauchen. Doch für Friesenhahn war zu diesem Zeitpunkt klar: Die Mosel hat an Besonderheiten mehr zu bieten als Höchststände. Was ihm über die Jahre hinweg bei Reisen, Ausflügen, aber auch rund um seinen Heimatort, auffiel, schrieb er auf.

Dazu zählt auch ein Besuch in den Vogesen. „Ich bin ein Quellenmensch“, bekennt der Pündericher. Die Suche nach dem Ursprung des Wassers habe ihn schon seit jeher fasziniert und so manchen Ort erkunden lassen. Die erste große Tour mit eigenem Führerschein und Auto führte ihn an die Quelle der Mosel. Und auch wenn der erste Besuch dort ein wenig enttäuschte, blieb die Faszination bestehen. Zumal es sich beim Wasser, das sich in seinem Fluss nicht aufhalten lässt, ähnlich wie bei Friesenhahns Ideen verhält: Irgendwann müssen sie raus. Und das gilt für alle Genres, in denen der Pündericher aktiv ist. Als Musiker, Lieder- und Filmemacher ist stets Kreativität gefragt. Zuletzt setzte er diese unter anderem beim Schreiben seiner drei Moselkrimis ein. Darauf hatte er diesmal jedoch keine Lust mehr. Regionalkrimis, sagt er, habe es mit der Zeit fast schon inflationär gegeben. Nun habe er sich für etwas Neues entschieden – aus gutem Grund.

Friesenhahn schleppt einen großen Stapel mit Büchern an, die allesamt die Mosel auf unterschiedliche Weise beschreiben. Doch unter den Autoren der Reiseführer, Romane und Bildbände sei „kein Mann, der an der Mosel wohnt“, schmunzelt der Pündericher. Diese Lücke füllt er nun aus – und zwar auf amüsante wie auch zum Nachdenken anregende Weise.

In mehreren Kapiteln greift er das Leben am Fluss thematisch auf. Die Erlebnisse, die er in Worte fasst, hat er zum Teil bebildert. Auch hier laden manche Motive zum Schmunzeln ein. Zudem stellt er in seinem YouTube-Kanal »Moselfilm« zu verschiedenen Themen wie Eisgang oder Hochwasser passende Filme bereit. Friesenhahn erschafft dadurch ein neues Genre, das sich gar nicht so recht in die Althergebrachten einordnen lässt.

In den zurückliegenden Monaten hat der Autor noch einmal intensiv an seinem Werk gearbeitet, war unter anderem mit der Kamera von der Mündung bis zur Quelle der Mosel unterwegs oder besuchte beliebte oder auch entlegene Orte. Der Touristenhochburg Beilstein stattete er beispielsweise, ganz unüblich, im Winter einen Besuch ab und stieß auf geschlossene Türen und Einsamkeit. In den Burgen entlang des Flusses sei er hingegen auf ein „unheimlich humorloses Burgenvolk“ getroffen, schmunzelt der Autor. Denn auf seine Frage – „Habt ihr denn hier auch ein Gespenst“ – habe er selten Erheiterndes als Antwort gehört.

Die Mosel und Friesenhahn – auch das war nicht immer ein erheiterndes Kapitel. In jungen Jahren habe er „die erstbeste Gelegenheit“ ergriffen, von hier zu fliehen. Er lebte unter anderem in Aachen und im Schwarzwald, ehe es ihn in sein Heimatdorf zurückzog. Vielleicht gelingt ihm daher auch heute noch der Blick auf das Leben an der Mosel aus einer gewissen Distanz. Denn in seinem neuen Werk werden Dinge durchaus auch kritisch und ironisch beäugt. Wenngleich er sich keine schönere Heimat vorstellen könne, gesteht er. Gerade die lauen Sommerabende an der Mosel und der Herbst haben es ihm angetan. Das ist offenbar ganz nach seinem (Fluss-) Geschmack.


Cochem-Zell AW vom Samstag, 1. Dezember 2018, Seite 3